Mittwoch, 26. Februar 2014

Regenwald, und zwar nun wirklich Regenwald



Um Himmels Willen, wie die Zeit rast. Es ist wieder so viel passiert seit ich das letzte Mal geschrieben habe, ich könnte gleich drei neue Einträge schreiben. Aber jetzt kommt erst einmal der Bericht über die dritte Rotary-Reise, der sehr bilderreich sein wird, er führte uns nämlich in den Osten Ecuadors, den Amazonas-Regenwald.

Gestartet sind wir 30 Austauschschüler aus der Provinz Manabí am 28. Januar vom (internationalen!) Flughafen in Manta am frühen Morgen. Nach einem 40-minütigem Flug mit der ecuadorianischen Airline AeroGal nach Osten in die Hauptstadt Quito und einem 20-minütigem noch weiter nach Osten in die Hauptstadt der Provinz Napo, Coca, fühlten wir zum ersten Mal die feuchte Hitze und die scheinbar noch grellere Sonne des Amazonas-Regenwaldes. In der 100.000 Seelen-Stadt Coca besitzt Sacha-Lodge, das Hotel das für die nächsten 3 Tage unser zu Hause sein sollte, ein Haus am Río Napo, in dem wir uns erfrischen konnten. Lange sollte es allerdings nicht dauern, denn das motorisierte Kanu, dass uns auf dem Fluss zwei Stunden weiter östlich zur Lodge bringen sollte, war schon bereit. Der Río Napo ist einer der längsten sowie breitesten Flüße im Regenwald Ecuadors und das wichtigste Transportmittel, nicht nur für die zum Teil noch sehr isoliert lebenden Ureinwohner, die Indígenas, sondern auch für Touristen wie wir.

The manabas taking over the plane

Der Río Napo mit der neuen Brücke Cocas


Sofort ging es allerdings nicht zur Lodge, die ein Terrain von 5000 Acre nahe dem Nationalpark Yasuní besitzt und dort Ökotourismus betreibt, denn wir hielten ungefähr auf der Mitte der Strecke an, um ein Museum über das Leben und die Kultur der Indígenas zu besichtigen. Nach einer weiteren Stunde kurvenreicher Fahrt, denn der Fluss führte nur wenig Wasser und so mussten wir die tiefsten Stellen suchen um nicht steckenzubleiben,  glaubten wir uns am Ziel. Aber falsch gedacht, die Lodge liegt keinesfalls am Fluss, sondern an einer Schwarzwasser-Lagune etwas tiefer im Dschungel. Also hieß es 20 Minuten laufen auf einem ca. 1 Meter hohem Holzsteg der, wie der Rest der Wege in der Lodge, mit einer Netzauflage aus Kunststoff belegt war, um Ausrutschen bei Regenwetter zu vermeiden. Darauf folgte unsere erste Kanufahrt über die unglaublich schöne Lagune, in kleineren Kanus als zuvor allerdings. In diesen 4 Tagen bin ich mehr gepaddelt als in meinem ganzen Leben zuvor, und das in einer Kulisse wie im Abenteuerfilm. Das erste Gebäude, das man sehen konnte war das Lagunenhaus, in dem gegrillt wird und von dem aus man baden kann, mit Piranhas und Krokodilen, aber dazu später mehr. Darauf folgten in einem schmalen Kanal das Bootshaus, das Gummistiefelhaus (in Englisch klingt das eindeutig besser), und das größte Haus, das dreistöckige Restaurant mit Ausguck auf dem Dach. Oberhalb liegen die Gastunterkünfte, Stelzenhäuser mit jeweils zwei sehr schön eingerichteten und sauberen Räumen. Alle Häuser der Lodge sind aus dem Urwald-Äquivalent zu Holz mit Strohdächern und hier folgen ein paar Bilder.


Das Lagunenhaus, links davon führt der Kanal zum Restaurant

Das Bootshaus bei Sonnenuntergang

 Ja, die Lodge hat den gleichen Namen wie mein amerikanischer Freund.
Sacha bedeutet Urwald in Quichua, der Sprache der Indígenas
und ist in Ecuador als weiblicher Vorname bekannt.

 Die Gästehäuser und der typische Holzsteg


Gott, wenn ich die Bilder jetzt wieder sehe bekomme ich Gänsehaut und will wieder zurück.
Weiter im Text. Am ersten Abend hieß es: Nachtwanderung. Naja, für zwei der vier 7-8 Mann starken Gruppen in die wir uns aufgeteilt hatten, denn zu viele Leute auf einmal im Urwald verschäuscht die Tiere. Das System ist folgendes: jede Gruppe hat einen bleibenden Native Guide und alle machen die gleichen Tours, nur eben zu anderen Zeitpunkten. Da es das erste Mal im eigentlichen Urwald war für uns und die Taschenlampen nur wenig Licht spendeten war diese Nachtwanderung zwar interessant, aber auch leicht gruselig. Unser Guide meinte wenn wir Glück hätten würden wir Schlangen sehen. Zu meinem Glück sahen wir allerdings keine, dafür Eidechsen, kleine Käfer und Spinnen und natürlich auch große Spinnen, insgesamt um die fünf Vogelspinnen bekamen wir in dieser ersten Nacht zu Gesicht.


Mein Lieblingsfoto dieser ersten Nacht
Dieser Trip war eindeutig der schlafreichste für alle von uns, denn nachdem wir den ganzen Tag an der Luft waren und ständig in Bewegung waren wir schon mittags unheimlich müde, um nicht vom Abend zu reden. Deshalb sind wir jeden Abend um 10 schlafen gegangen, denn schon um 5 Uhr am nächsten Morgen hieß es aufstehen, die Security-Guards weckten uns durch Klopfen an der Tür. Eine halbe Stunde um sich fertigzumachen, denn um 5.30 Uhr gab es Frühstück und um 6.00 Uhr brachen wir auf zu einer nächsten Tour. Die Vormittagstour dauerte meistens bis um 11.00 Uhr und am zweiten Tag fuhren alle Gruppen über den Río Napo ungefähr zwei Stunden zum Nationalpark Yasuní, wo wir eine Frauengruppe Indígenas besuchten, die uns ihre Kultur demonstrierten, sie tanzten für uns unter anderem eine traditionellen Tanz. Als wir danach oblogatorischerweise in den Shop gelotst wurden, wo handgemachte Armbänder, Ohrringe, Töpfe verkauft werden, die Palette reichte sogar bis zur Holzmachete, fiel mir ein Schild ins Auge das besagte dass diese Institution von einer deutschen Regierungsorganisation unterstützt wird.
Nachdem wir gegen 11.00 Uhr wieder in der Lodge waren war es Zeit für einen Snack und ein Nickerchen bis zum Mittagessen, welches immer um 1.00 Uhr stattfand. Die Zeit zum Schwimmen in der Lagune ist von 10.00 bis 16.00 beschränkt, denn nachts sind die Krokodile und Piranas aktiver als tagsüber. Da aber bis um 2.00 am Lagunenhaus Erneuerungen realisiert wurden konnten wir erst dann unseren Mut beweisen, mit Piranas zu schwimmen. Dazu muss gesagt werden dass diese genau wie Haie nur auf Blut angreifen, wenn man also in den letzten drei Tagen keine blutigen Wunden hatte oder nicht seine Tage für die Mädchen kann man sich ohne Sorgen am kühlen Wasser erfreuen. Was sehr lustig an der Lagune war ist dass die Haut unter Wasser gelb aussieht, da es eine Schwarzwasserlagune ist.


Hier das Beweisfoto mit zwei meiner Mit-Deutschen, Lorena und Mats
Die Nachmittagsexkursion startete für meine Gruppe um 15.30 Uhr, wir wanderten durch den Wald und sahen so ziemlich die gleichen Tiere wie in der Nacht zuvor, nur dass man dieses Mal mehr sah. Das eigentliche Highlight dieses ersten Tages sollte aber erst beim Abendessen stattfinden, beim Barbecue im Lagunenhaus, als ich einen von den Piranas gegessen habe, die die Guides der beiden anderen Gruppen am Mittag geangelt hatten (es ist schwer einen zu erwischen da die Viecher unheimlich gerissen sind und die Fleischstücke vom Haken abessen, bevor man es bemerkt). Sie schmecken ganz normal nach mildem Fisch (sagt man das so?) und die Zähne so aus der Nähe zu sehen war echt interessant. Um 8.30 Uhr fuhren wir mit dem 8-Mann Kanu raus auf die Lagune um Krokodile und andere Tiere zu betrachten, eigentlich. Leider war das einzige das wir sahen eine Kröte und durch die schlechten Lichtverhältnisse konnte ich sie nicht auf Foto festhalten. Es gehört sehr viel Glück dazu, die Tiere sehen zu können.

Mini-Frosch auf der Hand von Walter, unserem Guide
Hmmmm, Pirana

Der nächste Tag startete eine halbe Stunde später als der erste, was unseren müden Geistern sehr gut passte. Die Morgenexkursion war unglaublich schön, eine meiner Favoriten. Mit dem Kanu fuhren wir dieses Mal in eine andere Richtung durch einen schmalen Kanal, bis wir an einem Steg ankamen, wo wir anlegten und aufs Land gingen. Hier sah ich zum ersten Mal Kapuziner- und Totenkopfäffchen aus der Nähe in freier Wildbahn. Auch diese sehr agilen Tierchen sind leider schwer mit der Kamera einzufangen. Nachdem wir sie ausgiebig beschaut und uns über sie amüsiert haben, führte uns der Weg zu einer etwa 10 Meter langen und drei Meter hohen Seilbahn über einen kleinen Fluss und es hat total Spaß gemacht sie zu fahren. Danach ging es wesentlich höher hinaus: ein Baumhaus in einem absoluten Urwaldriesen wartete darauf, von uns erklummen zu werden. Oben angekommen fand natürlich eine riesen Foto-Session statt und wir nutzten den kühlen, angenehmen Wind, um etwas zu verweilen.

Paddeln!
 Walter's girls (v.r.): Tess, Arianna, Lorena, Coralie, Aliya, Kelty und ich
 Ich fliegeeee!

Der Baum, in dessen Krone eine Plattform liegt

Nach dem Mittagessen waren wir an der Reihe, unser Glück beim Piranha-Angeln zu versuchen. Unglaublich, aber wahr: ich habe zu meinem großen Stolz einen mittelgroßen Fisch geangelt. Im Anschluss stand für uns das Schmetterlingshaus auf dem Programm, es ist genauso aufgebaut wie deutsche Schmetterlingshäuser, der einzige Unterschied ist dass sie die tropischen Temperaturen nicht künstlich erzeugen müssen. Nachdem wir genug hatten vom Fotoschießen machten wir uns auf dem Weg zum Stolz der Sacha Lodge: der Canopy Walk, eine Hängebrücke, 275 Meter lang und 30 Meter hoch, auf dem Boden mit insgesamt drei Stahltürmen befestigt, die die Brücke in zwei Stücke unterteilen. Von dort oben hat man einen atemberaubenden Ausblick über die Wipfel der Urwaldriesen, etwas schwindelfei muss man allerdings schon sein. 

Mein Baby (mein Guide hat ihn danach wieder reingeworfen,
wir hatten ja am Vortag schon Fisch gehabt)
 Über den Wolken... Nun gut, fast
So, nun sind wir auch endlich am Ende angelangt, ich hoffe ich konnte zumindest einen Eindruck von der Schönheit des Amazonas-Regenwalds vermitteln. Aber ohne Zweifel ist dieser eines dieser Dinge, die man erleben muss, um sie ganz zu erkennen. Dieser Trip war auf jeden Fall mein bisheriger Liebling und ich danke Rotary vielmals dafür. Auch von mir nachträglich alles Gute zum 109. Geburtstag, den Rotary International am Sonntag, den 23. Februar 2014 feiern durfte. Que viva Rotary!
In diesem Sinne sende ich liebe Grüße nach Deutschland, und der nächste Bericht kommt bald, denn Ende März geht's auf nach Galapagos!
Bis dann,
Luisa
























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